Und wieder offline…

Nach nur vier Tagen ist „Lernsieg“ also wieder vorübergehend offline. Ich habe darüber geschrieben. Eine App die offiziell die Schulwelt verbessern möchte (über die Sternchenbewertung der Bediensteten und/oder dem Standort) – in meinen Augen aber durchaus mit mindestens 1,5 Augen auf die Daten (Name, Telefonnummer, Schule, Alter) der Bewerter schielt. Um zu „monetarisieren“ – wie übrigens auch die Firma Ploner Communications (diese hat die Investoren fur die Bezahlung der Erstellung der App gesucht) zugibt.

Was mich heute jedoch weit mehr staunen lässt, ist der Umgang mit diesem Sachverhalt in den sozialen Medien. Im Schutz der (zumindest möglichen) Anonymität dieser Medien, bekommt Lehrerbashing abermals eine neue Dimension. Denn unverhohlen behaupten diverse selbst ernannte Retter des Schulsystems oder zumindest der eigenen Kinder (oder der Kinder von Verwandten, oder zumindest Bekannten oder zumindest halt „Selbst-irgendwann-in-der-Schule-Gewesene“), dass es unglaublich ist, dass die App aufgrund von Hassnachrichten durch Lehrer an den 18-jährigen Erfinder, offline genommen wird.

Ich bin Lehrer. Ich kenne daher auch viele Lehrer. Ich kenne viele Typen von Lehrern. Ich kenne viele Ansichten von Lehrern. Ich kenne verschiedene Sichtweisen. Verschiedene Motivationslagen. Verschiedene Zugänge. Auch verschiedene Nicht-Zugänge. Aber eines traue ich mich jedenfalls zu behaupten und zu unterschreiben-absolut niemand meiner Kollegen, keine Lehrer die ich kenne würden jemals einem Jugendlichen mit Hass entgegentreten.

Also gibt es für mich 2 Möglichkeiten-entweder wird Kritik mit Hass gleichgesetzt. Oder es existieren die Nachrichten nicht sowie sie kommuniziert werden und der Hintergrund des offline-nehmens ist ein ganz anderer. Möglichkeit 3 wäre noch, dass ich ausnahmslos Ausnahmen kenne und meine Umgebung kein passendes Sample für „Jugend-Bashing“ ist. Aber das glaube ich nicht.

Und umso mehr schockiert mich, und nun zurück zum Ausgangspunkt, die unreflektierte Herangehensweise von Menschen, die nun wieder vollkommen unqualifizierte Meinungen (um nicht Hasspostings zu sagen) in die sozialen Medien posten, um ihre eigene, zum Teil wohl auch gerechtfertigte (weil bei 1-2 Lehrern erlebte-wenn auch manchmal vor 40-50 Jahren) Meinung über Schule ins Heute zu übertragen und eine App zu rechtfertigen, die in dieser Form nicht rechtfertigbar ist.

Kritik darf sein, Feedback muss sein, konstruktive Informationen ohne Konsequenzen müssen möglich sein. Hier muss das Schulsystem lernen aber die Meldungen in den sozialen Medien von heute sind dafür leider kaum ein Vorbild.

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